
Bei den meisten Kameras im Kleinbild- und Mittelformat sind die Objektive
wechselbar, es gibt aber Ausnahmen, bei denen Kamera und Objektiv fest verbunden
sind. Ein Wechselbajonett ermöglicht es, die Brennweite jeweils an die
Erfordernisse der Aufnahmesituation anzupassen. Bei den Digitalen ist es umgekehrt,
dort sind auswechselbare Objektive die Ausnahme und die Kameras, die diese
Möglichkeit bieten, im oberen Preissegment angesiedelt. Für die Verbindung zwischen
Kamera und Objektiv ist also das Bajonett zuständig. Einstecken, ein kurzer Dreh -
schon sitzt das Objektiv. Zum Abnehmen muss ein Arretierungsknopf gedrückt
werden, während man in die Gegenrichtung dreht.
Die Bajonette sind (natürlich) nicht bei allen Herstellern gleich - das wäre
ja zu schön, um wahr zu sein. Dann könnte man einfach ein Canon-Objektiv an
einer Nikon-Kamera verwenden! Nein, das geht nicht, leider... Nikon hat ein
eigenes Bajonett, Canon ebenso, Minolta natürlich auch. Ach ja, bei den beiden
letzteren gibt es sogar 2 verschiedene. Das ältere FD-Bajonett wurde bis
Anfang der 90er Jahre hergestellt, diese Objektive können an den älteren
Canon-Kameras bis zur T90 verwendet werden. Die Schaufenster der Gebrauchthändler
sind aber noch voll mit FD-Objektiven.
Mit der Einführung des Autofokus brachte Canon die EOS-Kameras und das
entsprechende EOS-Bajonett heraus. Dises unterscheidet sich von anderen
Bajonetten dadurch, dass nur noch eine elektrische Übertragung durch Kontakte
zwischen Kamera und Objektiv stattfindet, während alle anderen Systeme noch
einen Hebel für das Schließen und Öffnen der Blende aufweisen. EOS-Objektive
haben also einen eigebauten Motor bzw. Magneten für die Blende, und einen
weiteren für das automatische Scharfstellen (Autofokus).
Auch Minolta hat etwa zur gleichen Zeit wie Canon ein neues Bajonett eingeführt,
allerdings mit Hebel für die Blende. Nikon und Pentax haben es geschafft, trotz
AF-Einführung das (jeweilige) alte Bajonett beizubehalten. Alle Nikon-Objektive
können also an allen Nikon-Kameras verwendet werden, wenn auch manchmal mit
Einschränkungen: Natürlich gibt's keinen Autofokus, wenn man ein AF-Objektiv
an einer alten Kamera verwendet und umgekehrt. Bei Pentax mit dem PK-Bajonett
ist die Sache sehr ähnlich, das PK-Bajonett wurde aber von vielen anderen
Herstellern übernommen, so daß dort auch noch eine große Auswahl von Kameras
und Objektiven anderer Fabrikate besteht. Auf dem Gebrauchtmarkt ist die
Auswahl riesig!
Zum Schluß sei noch der M42-Anschluss erwähnt, eigentlich kein Bajonett, sondern
eine Schraubverbindung zwischen Kamera und Objektiv. Eigentlich schon lange
aus der Mode, aber... Es gibt für fast alle neuen Kleinbildsysteme Adapter für die
Verwendung von M42-Objektiven, und der Markt an gebrauchten M42-Objektiven
ist riesig. Natürlich, es gibt dann keinen Autofokus, keine automatische
Springblende (d.h., die Blende wird sofort geschlossen, wenn man am Blendenring
dreht) usw., dafür kann man aber sehr günstig zu einem Objektiv kommen, das man
vielleicht nur für spezielle Anwendungen braucht: Ein Makro-Objektiv zum Beispiel.
Seien wir doch mal ehrlich: Was bringt der Autofokus, wenn man Makroaufnahmen
mit dem Stativ macht und der Schärfenbereich nur noch 2mm beträgt? Da wird sowieso
von Hand scharfgestellt!
Ach ja, wir sind auch bei AF-Objektiven nicht allein auf den Kamerahersteller
angewiesen: Firmen wie Sigma, Tokina, Tamron usw. bieten ihre Objektive wahlweise
mit allen möglichen Bajonetten an. Einschränkungen bestehen nicht oder nur bei
Ausnahmen. Die Objektive dieser Drittanbieter sind meist wesentlich günstiger,
aber in der Regel nicht schlechter als die sogenannten Originale. Der Unterschied:
Diese Drittanbieter haben nur das im Programm, was derzeit gängig und angesagt
ist (vor allem Zooms). Die Originalhersteller bemühen sich jedoch auch darum,
das ganze Spektrum an Objektiven abzudecken. Dort bekommt man dann eben auch mehr
'Spezialisten' wie Festbrennweiten, Makro-Objektive usw.
Übrigens: Nicht nur Form und Durchmesser des Bajonetts unterscheiden sich
von Hersteller zu Hersteller, auch der Abstand zwischen der Auflagefläche des
Bajonetts und der Filmebene ist etwas unterschiedlich. Diesen Abstand bezeichnet
man als das Auflagemaß. Manche Objektive sind durchaus an Kameras anderer Hersteller
adaptierbar, die entsprechenden Adapter sind im Fotohandel erhältlich. Voraussetzung
ist aber, daß das Auflagemaß der Kamera kleiner ist als das Auflagemaß, für das das
Objektiv konstruiert wurde. Beispiel: Nikon-Objektive sind (unter Verzicht auf
Autofokus und Blendenautomatik) mit einem Adapter an Canon EOS-Kameras verwendbar,
EOS-Objektive können aber nicht an Nikon-Kameras angesetzt werden, da das Auflagemaß
von Nikon größer ist als das von Canon. Näheres gibt es unter dem Stichwort
Auflagemass.
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