
Grundlegend für das Verständnis der Zusammenhänge beim Fotografieren
ist das Wissen um zwei Zahlen, die ein Objektiv grob charakterisieren:
Die erste ist die Brennweite des Objektivs, die zweite die Lichtstärke.
Die Brennweite ist relativ einfach zu erklären: Lange Brennweiten
erfassen einen relativ kleinen Motivausschnitt und bilden ihn groß auf
dem Foto ab, bei kurzen Brennweiten wird ein großer Ausschnitt ziemlich
klein abgebildet.
Was die Brennweite eigentlich ist, lässt sich durch ein kleines
Experiment sinnlich erfahren: Wir brauchen dazu nur eine Lupe, ein
Zentimetermass sowie gutes Wetter und Sonnenschein. Die Lupe halten
wir mit der einen über den Rücken der anderen Hand, und zwar in
Richtung Sonne. Den Abstand verändern wir ein bisschen -- und plötzlich
brennt es auf dem Handrücken, kleine Rauchwölkchen steigen auf.
Jetzt ganz stillhalten und in aller Ruhe den Abstand zwischen
Handrücken und Lupe ausmessen: Das ist die Brennweite, und darum
heisst sie auch so!
Früher wurde die Brennweite in Zentimetern angegeben, heute
rechnet man in Millimetern. Ein Objektiv besteht allerdings nicht
wie eine Lupe aus einer, sondern aus mindestens drei Linsen (die
Dreilinser sind aber etwas aus der Mode gekommen, sodass es eigentlich
erst bei vier losgeht). Die Brennweite ist also nicht so einfach
nachzumessen wie bei einer Lupe, aber zum Glück steht sie ja auf dem
Objektiv! Je länger die Brennweite eines Objektivs ist, umso länger
muss auch das Objektiv selbst werden.
Mit einer sehr langen Brennweite kann man z.B. einen über das Feld
hoppelnden Hasen so fotografieren, dass er fast das ganze Foto ausfüllt,
nehmen wir dazu eine sehr kurze Brennweite, dann haben wir zwar das
Feld formatfüllend auf dem Foto (und auch noch das Gebirge im Hintergrund),
aber der Hase ist bestenfalls noch als braunes Pünktchen irgendwo zu
sehen. Kurze Brennweiten bezeichnet man als Weitwinkel-Objektive, da
der erfaßte Bildwinkel groß ist, und lange Brennweiten nennt man meist
Teleobjektive oder auch Fernobjektive.
In der Mitte dazwischen ist das Normalobjektiv angesiedelt, das einen
Bildwinkel von ca. 45° erfaßt. Bei Kleinbildkameras (die ja überwiegend
verwendet werden) hat das Normalobjektiv eine Brennweite von 50mm.
Weitwinkel gibt es handelsüblich mit Brennweiten von 35mm (leichtes
Weitwinkel), 28mm (sozusagen das Standard-Weitwinkel), 24mm (stärkeres
Weitwinkel), 20mm und darunter (Superweitwinkel bis Extrem-WW). Manche
Hersteller bauen aber auch Objektive mit etwas anderen Brennweiten
wie z.B. 55mm, 29mm usw.
Auch bei den längeren Brennweiten haben sich bestimmte Werte eingebürgert:
Kurze Teleobjektive haben oft 85mm oder 100mm, aber auch hier gibt es andere
Werte. Als mittleren Telebereich würde ich Brennweiten von 135mm bis 200mm
bezeichnen, aber da kann man drüber diskutieren. Jenseits davon gibt es
dann Brennweiten von 300mm, 400mm, 500mm usw. Diese Superteles werden dann
aber meist auch ein bißchen sperrig und schwer.
Bisher war von Festbrennweiten die Rede, also von Objektiven, die eine
feste Brennweite haben, an der nichts zu verändern ist. Aber seit langem
gibt es die Zoom-Objektive, das sind Objektive, deren Brennweite veränderlich
ist. Die Brennweite geht dann über einen bestimmten Bereich, z.B. 35-70mm,
80-200mm, 18-35mm usw. Analog zu den Festbrennweiten spricht man hier von
einem Normal-Zoom (weil 35-70mm um die Normalbrennweite 50mm angesiedelt ist),
einem Telezoom (80-200mm bedeutet kurze bis mittlere Telebrennweite) und
z.B. beim 18-35mm von einem WW-Zoom.
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