Ich möchte den Versuch machen, auf eine oft gestellte Frage eine
Antwort zu geben:
Bisher habe ich nur mit einer Knipskiste ein
paar Bilder gemacht, aber jetzt hätte ich doch gerne eine richtige
Fotoausrüstung. Was soll ich mir kaufen? So ganz pauschal
lässt sich die Frage nicht beantworten, aber wenn wir ein paar
Fallunterscheidungen treffen, kann man schon zu einigen Aussagen
kommen.
Natürlich spielt hier, wie meistens im Leben, das Geld die größte
Rolle. Daher unterteile ich das Ganze erstmal in drei Kategorien:
- Low budget - es soll einfach nicht viel kosten!
- Medium budget - was mache ich mit der Steuerrückerstattung?
- No budget - ich will was richtiges, egal was es kostet!
Ich werde mich bemühen, auf alle drei Möglichkeiten einzugehen.
Andererseits kann man aber auch eine Unterteilung in Anspruchs-Kategorien
vornehmen. Schliesslich muss man ja, wie immer, nicht nur den Preis
bedenken, sondern auch das, was man eigentlich vorhat:
- Ich möchte ganz normale Bilder machen, aber gute!
- Ich lege Wert auf Spitzen-Abbildungsqualität!
- Ich möchte besondere Aufnahmen machen, z.B. Makro, Unterwasser ...
Dreimal drei macht neune, wenn man die finanziellen Möglichkeiten
mit den Ansprüchen ausmultipliziert. Aber es kommen ja noch einige
weitere Faktoren hinzu:
- Ich hätt' gern was modernes mit viel Automatik
- Ich nehme lieber was Gebrauchtes...
- Mir wäre was solides, haltbares lieber
- Ich steh' total auf Marken-Image!
- Und ich will... Diese Liste liesse sich verlängern!
Wir sind jetzt also schon bei mindestens 36 Kombinationen! Nein, ich
werde jetzt keine 36 Unterkapitel anbieten, ich werde einfach versuchen,
auf alle Aspekte einzugehen!
Fangen wir doch einfach im low budget-Bereich an:
Für denjenigen, der wirklich sparen will, liegt der Gedanke an etwas
Gebrauchtes natürlich nahe. Aber aufgepasst: Manche Sachen kosten auf
dem Gebrauchtmarkt fast soviel wie neu, da sollte man wirklich nachdenken,
ob 1/3 Preisminderung den Verlust der Garantie wettmacht. Andererseits
gibt es Ausrüstungen, die vor Jahren ein Vermögen gekostet haben,
inzwischen auf dem Gebrauchtmarkt fast geschenkt! Es ist nicht ganz
einfach, da durchzusteigen!
In den 50er und 60er Jahren bestand eine gute Fotoausrüstung aus einer
Kamera mit Normalobjektiv 2,8/50, wer sich's leisten konnte, hatte ein
50er mit Lichtstärke 2,0 oder 1,8. Es gab aber auch schon 35er Weitwinkel
und Teleobjektive, aber das war mehr was für die Profis. In den 60ern bis
70ern etablierte sich dann eine 'gute Ausrüstung' mit 1,8/50, 2,8/28 und
2,8/135 (Zooms waren da gerade erfunden). Diese 'universelle' Ausrüstung
wurde dann irgendwie zum Standard.
Ich denke, man kann auch heute noch mit einer solchen Ausrüstung leben!
Man hat ein recht lichtstarkes Normalobjektiv, dazu ein Weitwinkel, das
dynamische Perspektiven sowie Aufnahmen in beengten Platzverhältnissen
ermöglicht, sowie ein Tele, mit dem man Porträts, Tieraufnahmen und
ungestellte Szenen abdecken kann. So eine Ausrüstung, die ich nur wärmstens
empfehlen kann, gibt es aber eigentlich nur gebraucht: 135er sind aus der
Mode gekommen, wie alle Festbrennweiten im kurzen Tele-Bereich. Es gibt sie
zwar noch neu, aber dann lichtstärker und richtig teuer! Ein brauchbares
135er lässt sich aber bei ebay für ein paar Euro ersteigern.
Erster Tipp: Kamera mit Objektiven 50/28/135mm
Wenn man auf Prestige verzichtet (z.B. Porst, Revue) kann man das Ganze
zusammen für 50 bis 100 Euro bei ebay bekommen. In diesem Falle würde
ich dazu raten, das 'teuerste vom billigen' zu nehmen: Lieber eine richtig
gut erhaltene Kamera, die fast nur im Schrank lag, als eine. die zwar
10 Euro billiger ist, wo aber Zweifel an der Funktionsfähigkeit bestehen.
Also: Finger weg von der schlecht beschriebenen Pentax ME mit geringfügigen
Mängeln, lieber die Porst mit 4 Wochen Garantie!
Da sind wir gleich bei der Frage: Welches System? Richtig billig sind
M42-Anschluss und das Pentax-PK-System. Beide sind sehr verbreitet, der
Gebrauchtmarkt ist riesig! Das M42-Gewinde hat darüberhinaus den Vorteil,
dass die Objektive an fast allen ganz neuen Kameras mit einem entsprechenden
Adapter auch noch zu nutzen sind. Bei beiden Systemen lässt sich die
Ausrüstung in beide Richtungen erweitern: Teleobjektive mit brauchbarer
Lichtstärke bekommt man günstig, und auch ein 24er ist noch für unter 50
Euro zu haben.
Natürlich entsteht da die Frage: Wie sieht es denn mit der Abbildungsqualität
aus? Wunder darf man da natürlich nicht erwarten! Wir reden aber bisher
ausschliesslich von Festbrennweiten, deren Abbildungsqualität immer höher
ist als die von Zooms. Und wir reden noch nicht von der Ausrüstung, die
Abzüge im Plakatformat ermöglicht! Für ganz normale Ansprüche reicht eine
solche Ausrüstung also durchaus aus.
Zweiter Tipp: Diese Ausrüstung erweitern!
Ein Zoom-Objektiv hat durchaus seine praktischen Seiten, auch wenn die
Festbrennweiten stellenweise überlegen sind. Aber man sollte an dieser
Stelle wirklich aufpassen: In den letzten Jahren wurde der Zoom-Bereich
immer größer. Während anfangs Zoomobjektive mit einem Brennweitenbereich
von 35-70mm durchaus gängig waren, sind heutzutage eher Zooms im Bereich
von 28-300mm angesagt. Man muss da aber die Dinge klar sehen: Mit der
größtmöglichen Öffnung 6,3 bei 300mm Brennweite kann man nur in der prallen
Sonne freihändig fotografieren!
Ich denke, man hat wesentlich mehr von einem Zoom mit einem kleineren
Brennweitenbereich, wenn es eine ordentliche Lichtstärke zu bieten hat.
Abraten würde ich von einem 4-5.6/70-200, auch wenn diese Objektive
(gebraucht) fast verschenkt werden, es sei denn, man ist gewillt, immer
ein Stativ mitzunehmen. Die Lichtstärke 5,6 am langen Ende (bei 200mm) ist
zu wenig! Hier sollte man etwas länger suchen und etwas mehr ausgeben:
Auch ein Zoom mit dem Bereich von 70-210mm und (durchgehender!) Lichtstärke
3,5 in sehr gutem Zustand ist mit etwas Geduld für unter 50 Euro bei ebay
zu ersteigern. Mit der Lichtstärke 3,5 ist man nur noch eine halbe
Blendenstufe von den Profi-Objektiven entfernt, wobei ich allerdings
Qualitätsmerkmale wie Auflösungsvermögen, Verzeichnung usw. dahingestellt
sein lasse.
Völlig abraten würde ich zunächst einmal von sehr langen Brennweiten, also
allem, was länger als 200mm ist. Auch mit einem billigen Stativ werden
solche Objektive eher mit Frust verbunden sein als mit Freude an gelungenen
Aufnahmen. Ein lichtstarkes Zoom im Bereich 70-210 oder 80-200 deckt aber
schon fast alle Anwendungen für ein Tele ab. Teleobjektive ab 300mm benötigen
sowieso nur noch Tierfotografen usw., und sie sind, ausser bei hellem
Sonnenschein, wirklich nur noch mit Stativ zu verwenden.
Der Weitwinkel-Bereich ist etwas schwieriger. Objektive mit 28mm gibt es
(gebraucht) noch wie Sand am Meer, kürzere Brennweiten sind aber nicht mehr
so leicht zu bekommen. Seltsamerweise sind aber auch 35er eher selten. Für
ein 24er sollte man auf jeden Fall mit mindestens 50 Euro rechnen, und
darunter wird die Luft dann echt dünn! Bei den 20ern ist auf dem Gebrauchtmarkt
fast nur das von Carl Zeiss Jena vertreten, das aber in gutem Zustand schon
mindestens 150.- Euro kostet. Noch kürzere Brennweiten sind im Rahmen einer
billigen Anfängerausrüstung fast ausgeschlossen.
Nun aber noch ein paar Worte zur Kamera: Egal ob M42 oder PK-Bajonett, es
ist - wie gesagt - mehr als ausreichend Auswahl auf dem Gebrauchtmarkt. In
Frage kommen vor allem Modelle von Porst, Revue, Praktica, Ricoh usw.
Aber auch die großen Marken wie Canon oder Minolta (mit den alten FD- bzw.
MD-Bajonetten) kommen in Frage, allerdings ist da alles doch ein bisschen
teurer, aber durchaus noch mit schmalem Budget erschwinglich.
Abraten würde ich von eher seltenen Bajonetten wie Fuji (zwar ebenso
günstig zu bekommen, aber recht selten) und Olympus (hervorragend, aber
insgesamt wesentlich teurer). Vorsicht: Auch Firmen wie Porst hatten
eine Zeitlang Kameras mit Fuji-Bajonett im Angebot. Wenn man eine solche
Kamera mit 2 oder 3 Objektiven angeboten bekommt, sollte man erst einmal
schauen, was für ein Anschluss vorliegt.
Da die Kameras hier sehr günstig sind, sollte man sich ganz einfach für
das Beste entscheiden, was man bekommen kann. Manche Kamera von Porst mit
M42-Anschluss und Normalobjektiv 1,8/50 hat einmal DM 800.- gekostet und ist
jetzt für 25 Euro zu haben! Da sollte man sich eine im A-Zustand aussuchen,
die keine oder nur minimale Gebrauchsspuren aufweist. Hier noch einmal 5
Euro einzusparen und dafür eine Kamera mit kleinen Schäden zu erwerben, macht
keinen Sinn, eher sollte man auf den Luxus einer Abblendtaste setzen! Wird
die Kamera mit Tragegurt angeboten? Der könnte nämlich, neu gekauft, teurer
als die Kamera werden! Auf eine 'Bereitschaftstasche' sollte man eher
verzichten - die macht nur Sinn, wenn man ausschliesslich das Standardobjektiv
verwendet.