Startseite Stichwortverzeichnis Was ist neu? Deutsch - Englisch Englisch - Deutsch Impressum Gästebuch www.mapcar.de www.tortours.de
To the english pages

Abblendtaste Blende Brennweite Kamera Objektiv

Hier kannst die Seite bei Fotos.de bewerten!

Einstiegsausrüstung


Ich möchte den Versuch machen, auf eine oft gestellte Frage eine Antwort zu geben: Bisher habe ich nur mit einer Knipskiste ein paar Bilder gemacht, aber jetzt hätte ich doch gerne eine richtige Fotoausrüstung. Was soll ich mir kaufen? So ganz pauschal lässt sich die Frage nicht beantworten, aber wenn wir ein paar Fallunterscheidungen treffen, kann man schon zu einigen Aussagen kommen.

Natürlich spielt hier, wie meistens im Leben, das Geld die größte Rolle. Daher unterteile ich das Ganze erstmal in drei Kategorien:
  • Low budget - es soll einfach nicht viel kosten!
  • Medium budget - was mache ich mit der Steuerrückerstattung?
  • No budget - ich will was richtiges, egal was es kostet!
Ich werde mich bemühen, auf alle drei Möglichkeiten einzugehen. Andererseits kann man aber auch eine Unterteilung in Anspruchs-Kategorien vornehmen. Schliesslich muss man ja, wie immer, nicht nur den Preis bedenken, sondern auch das, was man eigentlich vorhat:
  • Ich möchte ganz normale Bilder machen, aber gute!
  • Ich lege Wert auf Spitzen-Abbildungsqualität!
  • Ich möchte besondere Aufnahmen machen, z.B. Makro, Unterwasser ...
Dreimal drei macht neune, wenn man die finanziellen Möglichkeiten mit den Ansprüchen ausmultipliziert. Aber es kommen ja noch einige weitere Faktoren hinzu:
  • Ich hätt' gern was modernes mit viel Automatik
  • Ich nehme lieber was Gebrauchtes...
  • Mir wäre was solides, haltbares lieber
  • Ich steh' total auf Marken-Image!
  • Und ich will... Diese Liste liesse sich verlängern!
Wir sind jetzt also schon bei mindestens 36 Kombinationen! Nein, ich werde jetzt keine 36 Unterkapitel anbieten, ich werde einfach versuchen, auf alle Aspekte einzugehen!

Fangen wir doch einfach im low budget-Bereich an:
Für denjenigen, der wirklich sparen will, liegt der Gedanke an etwas Gebrauchtes natürlich nahe. Aber aufgepasst: Manche Sachen kosten auf dem Gebrauchtmarkt fast soviel wie neu, da sollte man wirklich nachdenken, ob 1/3 Preisminderung den Verlust der Garantie wettmacht. Andererseits gibt es Ausrüstungen, die vor Jahren ein Vermögen gekostet haben, inzwischen auf dem Gebrauchtmarkt fast geschenkt! Es ist nicht ganz einfach, da durchzusteigen!

In den 50er und 60er Jahren bestand eine gute Fotoausrüstung aus einer Kamera mit Normalobjektiv 2,8/50, wer sich's leisten konnte, hatte ein 50er mit Lichtstärke 2,0 oder 1,8. Es gab aber auch schon 35er Weitwinkel und Teleobjektive, aber das war mehr was für die Profis. In den 60ern bis 70ern etablierte sich dann eine 'gute Ausrüstung' mit 1,8/50, 2,8/28 und 2,8/135 (Zooms waren da gerade erfunden). Diese 'universelle' Ausrüstung wurde dann irgendwie zum Standard.

Ich denke, man kann auch heute noch mit einer solchen Ausrüstung leben! Man hat ein recht lichtstarkes Normalobjektiv, dazu ein Weitwinkel, das dynamische Perspektiven sowie Aufnahmen in beengten Platzverhältnissen ermöglicht, sowie ein Tele, mit dem man Porträts, Tieraufnahmen und ungestellte Szenen abdecken kann. So eine Ausrüstung, die ich nur wärmstens empfehlen kann, gibt es aber eigentlich nur gebraucht: 135er sind aus der Mode gekommen, wie alle Festbrennweiten im kurzen Tele-Bereich. Es gibt sie zwar noch neu, aber dann lichtstärker und richtig teuer! Ein brauchbares 135er lässt sich aber bei ebay für ein paar Euro ersteigern.

Erster Tipp: Kamera mit Objektiven 50/28/135mm
Wenn man auf Prestige verzichtet (z.B. Porst, Revue) kann man das Ganze zusammen für 50 bis 100 Euro bei ebay bekommen. In diesem Falle würde ich dazu raten, das 'teuerste vom billigen' zu nehmen: Lieber eine richtig gut erhaltene Kamera, die fast nur im Schrank lag, als eine. die zwar 10 Euro billiger ist, wo aber Zweifel an der Funktionsfähigkeit bestehen. Also: Finger weg von der schlecht beschriebenen Pentax ME mit geringfügigen Mängeln, lieber die Porst mit 4 Wochen Garantie!

Da sind wir gleich bei der Frage: Welches System? Richtig billig sind M42-Anschluss und das Pentax-PK-System. Beide sind sehr verbreitet, der Gebrauchtmarkt ist riesig! Das M42-Gewinde hat darüberhinaus den Vorteil, dass die Objektive an fast allen ganz neuen Kameras mit einem entsprechenden Adapter auch noch zu nutzen sind. Bei beiden Systemen lässt sich die Ausrüstung in beide Richtungen erweitern: Teleobjektive mit brauchbarer Lichtstärke bekommt man günstig, und auch ein 24er ist noch für unter 50 Euro zu haben.

Natürlich entsteht da die Frage: Wie sieht es denn mit der Abbildungsqualität aus? Wunder darf man da natürlich nicht erwarten! Wir reden aber bisher ausschliesslich von Festbrennweiten, deren Abbildungsqualität immer höher ist als die von Zooms. Und wir reden noch nicht von der Ausrüstung, die Abzüge im Plakatformat ermöglicht! Für ganz normale Ansprüche reicht eine solche Ausrüstung also durchaus aus.

Zweiter Tipp: Diese Ausrüstung erweitern!
Ein Zoom-Objektiv hat durchaus seine praktischen Seiten, auch wenn die Festbrennweiten stellenweise überlegen sind. Aber man sollte an dieser Stelle wirklich aufpassen: In den letzten Jahren wurde der Zoom-Bereich immer größer. Während anfangs Zoomobjektive mit einem Brennweitenbereich von 35-70mm durchaus gängig waren, sind heutzutage eher Zooms im Bereich von 28-300mm angesagt. Man muss da aber die Dinge klar sehen: Mit der größtmöglichen Öffnung 6,3 bei 300mm Brennweite kann man nur in der prallen Sonne freihändig fotografieren!

Ich denke, man hat wesentlich mehr von einem Zoom mit einem kleineren Brennweitenbereich, wenn es eine ordentliche Lichtstärke zu bieten hat. Abraten würde ich von einem 4-5.6/70-200, auch wenn diese Objektive (gebraucht) fast verschenkt werden, es sei denn, man ist gewillt, immer ein Stativ mitzunehmen. Die Lichtstärke 5,6 am langen Ende (bei 200mm) ist zu wenig! Hier sollte man etwas länger suchen und etwas mehr ausgeben: Auch ein Zoom mit dem Bereich von 70-210mm und (durchgehender!) Lichtstärke 3,5 in sehr gutem Zustand ist mit etwas Geduld für unter 50 Euro bei ebay zu ersteigern. Mit der Lichtstärke 3,5 ist man nur noch eine halbe Blendenstufe von den Profi-Objektiven entfernt, wobei ich allerdings Qualitätsmerkmale wie Auflösungsvermögen, Verzeichnung usw. dahingestellt sein lasse.

Völlig abraten würde ich zunächst einmal von sehr langen Brennweiten, also allem, was länger als 200mm ist. Auch mit einem billigen Stativ werden solche Objektive eher mit Frust verbunden sein als mit Freude an gelungenen Aufnahmen. Ein lichtstarkes Zoom im Bereich 70-210 oder 80-200 deckt aber schon fast alle Anwendungen für ein Tele ab. Teleobjektive ab 300mm benötigen sowieso nur noch Tierfotografen usw., und sie sind, ausser bei hellem Sonnenschein, wirklich nur noch mit Stativ zu verwenden.

Der Weitwinkel-Bereich ist etwas schwieriger. Objektive mit 28mm gibt es (gebraucht) noch wie Sand am Meer, kürzere Brennweiten sind aber nicht mehr so leicht zu bekommen. Seltsamerweise sind aber auch 35er eher selten. Für ein 24er sollte man auf jeden Fall mit mindestens 50 Euro rechnen, und darunter wird die Luft dann echt dünn! Bei den 20ern ist auf dem Gebrauchtmarkt fast nur das von Carl Zeiss Jena vertreten, das aber in gutem Zustand schon mindestens 150.- Euro kostet. Noch kürzere Brennweiten sind im Rahmen einer billigen Anfängerausrüstung fast ausgeschlossen.

Nun aber noch ein paar Worte zur Kamera: Egal ob M42 oder PK-Bajonett, es ist - wie gesagt - mehr als ausreichend Auswahl auf dem Gebrauchtmarkt. In Frage kommen vor allem Modelle von Porst, Revue, Praktica, Ricoh usw. Aber auch die großen Marken wie Canon oder Minolta (mit den alten FD- bzw. MD-Bajonetten) kommen in Frage, allerdings ist da alles doch ein bisschen teurer, aber durchaus noch mit schmalem Budget erschwinglich. Abraten würde ich von eher seltenen Bajonetten wie Fuji (zwar ebenso günstig zu bekommen, aber recht selten) und Olympus (hervorragend, aber insgesamt wesentlich teurer). Vorsicht: Auch Firmen wie Porst hatten eine Zeitlang Kameras mit Fuji-Bajonett im Angebot. Wenn man eine solche Kamera mit 2 oder 3 Objektiven angeboten bekommt, sollte man erst einmal schauen, was für ein Anschluss vorliegt.

Da die Kameras hier sehr günstig sind, sollte man sich ganz einfach für das Beste entscheiden, was man bekommen kann. Manche Kamera von Porst mit M42-Anschluss und Normalobjektiv 1,8/50 hat einmal DM 800.- gekostet und ist jetzt für 25 Euro zu haben! Da sollte man sich eine im A-Zustand aussuchen, die keine oder nur minimale Gebrauchsspuren aufweist. Hier noch einmal 5 Euro einzusparen und dafür eine Kamera mit kleinen Schäden zu erwerben, macht keinen Sinn, eher sollte man auf den Luxus einer Abblendtaste setzen! Wird die Kamera mit Tragegurt angeboten? Der könnte nämlich, neu gekauft, teurer als die Kamera werden! Auf eine 'Bereitschaftstasche' sollte man eher verzichten - die macht nur Sinn, wenn man ausschliesslich das Standardobjektiv verwendet.