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Abbildungsmaßstab Brennweite Objektiv Schärfentiefe

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Perspektive


Auch wenn dies ab und zu anders zu lesen ist: Objektive haben keine 'eingebaute Perspektive' oder ähnliches, wer daran glaubt, unterliegt einfach einem Irrtum! Trotzdem ist da etwas, was geklärt werden sollte! Zunächst einmal sollte man klarstellen, dass - wenn da überhaupt ein Zusammenhang ist - dieser zwischen der Brennweite und der Perspektive entsteht! Werfen wir doch einmal einen Blick auf diese beiden Fotos:





Zwei Aufnahmen eines LKW mit unterschiedlichen Brennweiten

Beide Bilder zeigen den gleichen LKW, und auf Anhieb sehen sie sich ähnlich. Trotzdem sind gewisse Unterschiede da, und auf dem zweiten Bild wirkt der LKW aus irgendeinem Grunde etwas länger! Ja, richtig - die Aufnahmen wurden mit unterschiedlichen Brennweiten gemacht - die erste Aufnahme mit einer längeren, die zweite mit einer kürzeren. Ist das nun doch der Beweis, dass die Perspektive von der Brennweite abhängt? Nein - denn da wurde bisher eine weitere Information unterschlagen: Die Aufnahmen wurden nicht vom gleichen Kamera-Standpunkt aus aufgenommen. Das nämlich macht den Unterschied aus!





Zwei weitere Aufnahmen mit unterschiedlicher Brennweite

Die Gegenprobe: Die beiden letzten Aufnahmen wurden wieder mit den selben Brennweiten aufgenommen, aber diesmal vom selben Standpunkt aus. Jetzt erscheint der LKW auf der rechten Abbildung einfach kleiner, da ja kürzere Brennweiten immer den Abbildungsmassstab verkleinern. Wenn wir nun noch einen Schritt weiter gehen und aus dem rechten Bild einen Ausschnitt herausvergrößern, dann haben wir plötzlich zwei gleiche Bilder!

Fazit: Es gibt keinen direkten Zusammenhang zwischen Brennweite und Perspektive! Wohl aber einen indirekten: Infolge des kleineren Abbildungsmassstabes gehen wir mit Kurzbrennweiten näher an das Motiv heran, und nur durch die Nähe zu den Motivteilen im Vordergrund entstehen die dynamisch wirkenden Größenunterschiede. Ein Beispiel: Eine Person im Vordergrund des Fotos wird etwa 5 mal so groß abgebildet wie die Person im Hintergrund - aber nur, weil die Hintergrundperson 5 mal so weit weg von der Kamera war wie die Vordergrundperson.





Zwei Personen, mit Weitwinkel aufgenommen

Wenn wir die beiden Personen aber mit einem Tele aus etwa 100m Entfernung aufnehmen, dann spielt der Entfernungsunterschied kaum noch eine Rolle, die zweite Person ist nur etwa 1,05 mal so weit entfernt wie die erste. Alles, was den Objektiven so nachgesagt wird wie 'dynamische Perspektive von Weitwinkeln', 'stauchende, verflachende Abbildung von Teles', 'neutrale, dem Blickwinkel des Menschen angepasste Perspektive von Normalobjektiven' - all das kann man sehr oft auf den entsprechenden Fotos tatsächlich wahrnehmen. Trotzdem hängen diese Merkmale von Fotos nicht von der Brennweite, sondern einzig und allein von den Entfernungsverhältnissen und damit vom Aufnamestandpunkt ab!





Zwei Personen, mit Tele aufgenommen

Das bedeutet aber auch: Wer beim Fotografieren auf einer Stelle stehen bleibt und nur am Zoomring dreht, wird nicht wirklich unterschiedliche Aufnahmen machen. Es wird mehr oder weniger immer dasselbe Foto sein, nur die Ausschnittsvergrößerung ändert sich. Das könnte man aber doch eigentlich dem Labor oder dem PC überlassen! Eine gute Ausstattung an verschiedenen Brennweiten bedeutet eigentlich, dass man sich nur ein mehr an körperlicher Bewegung verordnet! Der Ansatz 'Hier stehe ich zufällig, und jetzt drehe ich solange an der Brennweite, bis das Motiv aufs Bild passt' sollte ersetzt werden durch 'Ich will Dynamik, also kurze Brennweite einstellen und dann ranbewegen an das Motiv, bis es aufs Bild passt'!

Mit diesen Überlegungen ist aber das Thema noch nicht erschöpfend behandelt. Bisher haben wir den Aufnahmestandpunkt nur 'zweidimensional' betrachtet. Es gibt aber auch die Achse 'oben-unten', die z.B bei der sogenannten 'Bauchperspektive' eine Rolle spielt: So nennt man die typische Perspektive älterer Fotografie, die mit einem Lichtschachtsucher gemacht wurden. Die Kamera hing am Riemen vor dem Bauch des Fotografen, und in den Lichtschachtsucher musste man von oben hineinschauen. Längere Brennweiten waren damals noch nicht so verbreitet, diese Kameras waren oft fest mit einem Normalobjektiv oder einem leichten Weitwinkel ausgerüstet.

Lichtschachtsucher sind heute sehr selten geworden. Weil die Kameras heutzutage beim Abdrücken fast immer ans Auge gehalten werden, ist der durchschnittliche Aufnahmestandpunkt jetzt also einen halben Meter nach oben gerückt. Bei den alten Bildern mit 'Bauchperspektive' waren stürzende Linien oft sogar bei Personenaufnahmen zu bemerken. Die Neigung der Kamera nach oben führte also oft zu etwas verkleinerten Köpfen. Bei Kinderaufnahmen war jedoch die Bauchperspektive eher günstig: Viele Fotografen denken oft nicht daran, sich ein wenig auf die Ebene der Kinder herabzubewegen, zumal die Aufnahmen ja dann auch so wirken, wie man die Kinder meistens wahrnimmt: Von oben herab.

Die konsequente Fortsetzung der Bauchperspektive ist dann natürlich die Froschperspektive. Fotos können sehr dramatisch wirken, wenn sie knapp über dem Erdboden aufgenommen werden. Natürlich spielen Bauch- und Froschperspektive bei Teleaufnahmen überhaupt keine Rolle, aber bei Weitwinkel-Objektiven sollte man wiklich einmal ausprobieren, wie solch ein Foto wirkt. Voraussetzung ist allerdings, dass man sein Wissen um die hyperfokale Distanz einsetzt. Wer hier den Autofokus einsetzt, wird einen eher störenden unscharfen Vordergrund auf dem Bild haben.

Die Vogelperspektive kann aber auch ihre besonderen Reize haben - nicht umsonst benutzen Porträtfotografen auch mal eine Leiter. Hier ist viel Raum für Fantasie! Klettern sie ruhig mal auf einen Tisch, oder legen Sie sich mal flach - ich weiss, die Leute schauen schon mal ein bisschen irritiert, wenn man sich in der Stadt oder im Park für eine Aufnahme lang hinwirft - aber da stehen wir doch drüber, oder?