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Spiegelobjektive


Spiegelobjektive (auch katadioptrische Objektive oder kurz Katadiopter genannt) haben eine ganz besondere Bauart: Der Strahlengang innerhalb des Objektivs wird durch Spiegel gefaltet und erst dann (kurz vor dem Eintritt in die Kamera) durch ein Linsensystem gelenkt. Durch das Falten des Strahlenganges läßt sich die Baulänge von langen Brennweiten drastisch verkürzen. Ein 600er Tele kann so z.B. nur noch etwa 10cm lang sein. Außerdem sind Katadiopter gegenüber herkömmlichen Linsen-Objektiven erheblich leichter.

Allerdings muß man auch eine ganze Menge Nachteile in Kauf nehmen. Zunächst einmal ist hier zu erwähnen, daß Spiegelobjektive eine ganz charakteristische Art der Abbildung haben: Da die Frontlinse immer ringförmig ist (in der Mitte der Rückseite der Frontlinse sitzt der zweite Spiegel, der den Strahlengang wieder in Richtung Kamera lenkt), werden auch Unschärfen ringförmig abgebildet. Auf dem Film entstehen also keine scheibenförmige Zerstreuungskreise, sondern Zerstreuungsringe. Dies fällt insbesondere bei Spitzlichtern deutlich auf.



Skizze: Spiegelobjektiv
Schematischer Aufbau eines Spiegelobjektivs

Je nach Motivsituation und gegebenen Entfernungen kann dieses Abbildungsverhalten dazu führen, daß entweder ein ausgesprochen unruhiger Hintergrund entsteht, der ein Foto völlig unbrauchbar machen kann, oder daß ein Effekt entsteht, der zwar dem fotokundigen Betrachter verrät, daß das Bild mit einem katadioptrischen System aufgenommen wurde, aber trotzdem gut aussehen kann. Wenn alle Motivbestandteile innerhalb der Schärfenzone liegen (z.B. eine Fassade), dann unterscheidet sich die Aufnahme nicht von einer, die mit einem Linsen-Objektiv aufgenommen wurde.

Ein weiterer Nachteil ist, daß Spiegelobjektive keine einstellbare Blende haben. Die rechnerische Maximalöffnung (Lichtstärke) ist also die einzige Blendenstufe, die zur Verfügung steht. Damit die Belichtungszeit nur angepasst werden. Ist es zu hell, was bei lichtstarken Katadioptern schnell der Fall sein kann, kann man nur durch die Verwendung von Graufiltern die einfallende Lichtmenge reduzieren. Auch wenn Bewegungen nicht durch eine zu kurze Belichtungszeit eingefroren werden sollen, muß man zum Graufilter greifen. Trotz dieser Maßnahmen kann aber die Schärfenzone des Objektivs nicht beeinflußt werden!



Typische Unschärferinge einer Spiegelobjektiv-Aufnahme
Typische Unschärferinge einer Spiegelobjektiv-Aufnahme
Foto: Strube-Zettler, Canon EOS mit russ. 10/1000



Die uneingeschränkte Freude an einem Spiegelobjektiv wird dann auch noch etwas durch die Tatsache getrübt, daß die Aufnahmen von Katadioptern immer ein klein wenig flauer und kontrastärmer sind als solche von Linsen-Objektiven. All das heißt aber nicht, daß man damit keine guten Fotos machen könnte! Besonders attraktiv sind auf jeden Fall die Preise: Spiegelobjektive sind meist erheblich billiger zu haben als herkömmliche. Insbesondere die 'Russentonnen' sind (vor allem gebraucht) spottbillig und trotzdem nicht schlecht.

Typische Daten für einige Spiegelobjektive:
  • 5,6/300 oder 400(eher selten anzutreffen)
  • 8/500 (sehr häufig, da derzeit mehrere Hersteller)
  • 8/600 (auch nicht selten, z.Zt. ein großer Hersteller)
  • 10/1000 (meist aus russischer Fertigung, nicht selten)
Dann gibt es aber auch ausgefallene Modelle, z.B. das Mirotar 5,6/1000 von Zeiss, das etwa 12kg wiegt und astronomisch teuer ist, das 2000er von Pentax, das den Brennweitenrekord für Kleinbildobjektive darstellt, und Minolta baut ein Spiegelobjektiv, das sogar Autofokus hat.

Viele der gängigen Spiegellinser haben übrigens eine sehr kurze Nahgrenze und erreichen dadurch einen Abbildungsmaßstab von 1:3 oder sogar 1:2! Auch wenn manchmal die Bezeichnung 'Makro' aufgedruckt ist, sind es natürlich keine echten, für den Nahbereich gerechneten Makroobjektive. Da die Schärfentiefe aber gering ist (man kann ja nicht abblenden, um die Schärfentiefe zu erhöhen), muß man auch hier wieder zu einem Trick greifen: Die Frontlinse wird mit einem Stück schwarzer Pappe abgedeckt, in das ein Loch von etwa 10mm Durchmesser gestanzt ist. Das Loch darf natürlich nicht mittig liegen (da ist ja die Frontlinse abgedeckt), sondern muß etwas seitlich liegen. Über die Qualität solcher Aufnahmen kann ich aber keine Aussage machen.