
Unter Vergütung von Linsen versteht man das Aufbringen von extrem dünnen
Metallschichten auf die Flächen der Linse. Es wird unterschieden zwischen
unvergüteten Linsen (bei sehr alten Objektiven), einfach vergüteten (bei
älteren Objektiven) und mehrfach vergüteten (inzwischen ist Multicoating,
abgekürzt MC eigentlich eine Selbstverständlichkeit). Eine Zeit lang hatten
alle mehrfachvergüteten Objektive den Aufdruck MC, inzwischen wird er aber
wieder weggelassen, da wohl kein Hersteller noch unvergütete Objektive
herstellt.
Die Vergütung dient mehreren Zwecken: Jeder Glas-Luft-Übergang im Objektiv
kostet ein bisschen Licht. Sind die Linsen entsprechend vergütet, kann der
Lichtverlust minimiert werden und die Transmission des Objektivs kann
verbessert werden. Unter Transmissionverlust versteht man folgendes: Die Angaben
zur Blende bzw. Lichtstärke eines Objektivs können etwas von den tatsächlichen
Werten abweichen, da beim Durchgang durch das Objektiv die angesprochenen
Lichtverluste auftreten. Ein Objektiv mit Lichtstärke 2,8 kann z.B. zwar das
Schärfentiefeverhalten der Blende 2,8 haben, der in der Kamera eingebaute
Belichtungsmesser ermittelt aber Belichtungszeiten, als hätte das Objektiv
nur Lichtstärke 3,5.
Zugegeben, so krass ist es in der Praxis meist nicht. Die halbe Blendenstufe
im Beispiel würde ja bedeuten, dass nur 70% des Lichtes zum Film gelangen und
30% verloren gehen. MC-Objektive senken also den Transmissionsverlust, die
rechnerische und die effektive Lichtstärke näher sich an.
Ein weiterer Vorteil von MC-Objektiven ist, dass Reflexionen vermieden werden.
Der qualitätsmindernde Einfluss von Streulicht wird geringer, was aber nicht
bedeutet, dass man bei MC-Objektiven auf eine Streulicht- (Sonnen-)blende
verzichten sollte.
Zum Dritten kann ein Hersteller über die Mehrschichtvergütung auch noch die
Farbwiedergabe eines Objektivs beeinflussen. Eine Mehrschichtvergütung ist - da
ihre Dicke nur im 1/1000mm-Bereich liegt - nicht direkt sichtbar. Typisch ist
aber das 'bunte' Aussehen der Frontlinse bei einem bestimmten Blickwinkel. Da
das Glas der Linsen immer eine bestimmte, wenn auch geringe Farbverschiebung
mit sich führt, kann also über die Farbe der Vergütung ein Ausgleich erzielt
werden.
Das Verfahren der Vergütung wurde 1935 von Dr. Alexander Smakula bei Carl
Zeiss erfunden.
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